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Urlaubsanspruch in der Probezeit: Kündigung, Auszahlung und Sonderurlaub

Arbeit auf Probe: Gibt es in der stressigsten Phase des Jobs einen Anspruch auf Urlaub – und was passiert bei der Kündigung?

Ab wann entsteht ein Urlaubsanspruch?

Probezeit: Normalerweise hält man den Kopf unten und sieht zu, dass man die Erprobungsphase so reibungslos wie möglich hinter sich bringt. Das bedeutet für viele Arbeitnehmer Überstunden, keine Mittagspause und ein besonders nettes Lächeln beim morgendlichen Betreten des Büros. Alles, damit der Chef den besten Eindruck hat und die Probezeit möglichst in ein Arbeitsverhältnis mit längerer Perspektive verwandelt werden kann. Die meisten Arbeitnehmer nehmen dabei weder Rücksicht auf ihre Gesundheit, noch auf ihr Sozialleben. Psychologen mahnen daher ständig: Ausgleich schaffen! Freizeit und Abschalten – doch geht das in der Probezeit?

In Deutschland ist der Urlaubsanspruch deswegen gesetzlich geregelt. Jedem Arbeitnehmer steht eine feste Mindestzahl an Urlaubstagen zu, darüber hinaus können durch Arbeits- oder Tarifverträge zusätzliche Erholungstage festgeschrieben sein. In der Probezeit hingegen steht es schlecht um den Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers. Zwar nimmt das Bundesurlaubsgesetz nicht spezifisch Bezug auf die im Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelte Probezeit, vergleicht man beide Rechtstexte miteinander, fällt aber auf, dass die Höchstdauer für die Probezeit (nach § 622 Absatz 3 BGB sechs Monate) exakt der Wartefrist von sechs Monaten nach § 4 des Bundesurlaubsgesetzes entspricht.

Für Arbeitnehmer bedeutet das: Erst nach der Probezeit erwirbt man den Anspruch auf Jahresurlaub. In den ersten sechs Monaten heißt es hingegen „durcharbeiten“.

Der Urlaubsanspruch

Das wiederum bedeutet nicht, dass es in der Probezeit gar keinen (gesetzlichen) Urlaub gäbe. Es bedeutet nur, dass er erst nach sechs Monaten vollständig genommen werden darf. Faktisch spart ein Arbeitnehmer mit jedem Monat, die er in einem Betrieb tätig ist, 1/12 seines Jahresurlaubs an. Nach der gesetzlicher Urlaubsregelung mit 20 Tagen im Jahr (Fünftagewoche), werden jeden Monat immerhin 1.67 Urlaubstage angesammelt. Nach drei Monaten hat man somit fünf Urlaubstage angesammelt, die für eine freie Woche reichen.

Bei Kündigung

Die wenigsten Arbeitgeber werden darüber erfreut sein, wenn der Arbeitnehmer in der Probezeit Urlaub nehmen will. Per se ist es aber kein Kündigungsgrund, einen Urlaubsantrag in der Probezeit einzureichen. Gibt es jedoch aus anderen Gründen eine Kündigung, fragen sich Arbeitnehmer regelmäßig, was mit ihrem Urlaubsanspruch geschieht. Dazu gibt es im Groben zwei Möglichkeiten: Entweder wird der Urlaub in den letzten Tagen des Arbeitsverhältnisses genommen – oder er wird finanziell abgegolten.
Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer aber nicht zwingen, seinen Jahresurlaub für die letzten Tage im Betrieb zu opfern, denn der (Mindest-) Urlaubsanspruch gilt unabhängig vom Arbeitgeber, kann also auch bei einer Folgestelle einbezogen werden. Will der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter aus dem Betrieb haben, muss er ihn (bei vollem Gehalt) freistellen.

Außerdem hat er dem Arbeitnehmer den verbliebenen Urlaubsanspruch auszuzahlen. Das geht normalerweise nicht, bei Kündigungen gilt jedoch die Ausnahme nach § 7 Absatz 4 BUrlG. Kann der Urlaub, so die Vorschrift, wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden, ist er abzugelten – und zwar nach Tagesverdiensten in Höhe des durchschnittlichen Tageslohns der letzten drei Monate.

Bei Kündigung in der Probezeit ist der Urlaubsanspruch also nicht verloren. Auch, wenn noch kein Anspruch auf den vollen Urlaub entstanden ist, hat der Arbeitnehmer schon anteilige Urlaubstage verdient. Bei Kündigung in der Probezeit wird dieser Anspruch vorzeitig fällig. Ob man ihn sich auszahlen lässt oder einige Tage frei nimmt, ist eine persönliche Entscheidung. Verfallen lassen sollte man den Urlaub jedoch nicht.

Sonderurlaub wegen besonderer Ereignisse

Auch in der Probezeit kann es dazu kommen, dass unvorhergesehene Ereignisse einige freie Tage notwendig machen. Wenn beispielsweise ein enger Verwandter oder Freund stirbt, sich Geschwister spontan zu heiraten entscheiden oder die berenteten Eltern verletzungsbedingt umsorgt werden müssen. Für solche Fälle hat der Gesetzgeber vorgesorgt und in § 616 BGB festgelegt, dass vorübergehende Verhinderungen einige Tage bezahlten Urlaub rechtfertigen. Das gilt auch in der Probezeit. Selbstredend berechtigt nicht jedes Ereignis zum bezahlten „Blaumachen“, die Rechtsprechung hat mehrfach ausgeführt, dass die Vorschrift eine Ausnahme bildet und als solche eng anzuwenden sei. Bei Hochzeiten und Geburten gewähren großzügige Arbeitgeber bis zu drei Tage Sonderurlaub, bei Todesfällen zwischen einem und vier Tagen – je nach Verwandtschaftsgrad und Arbeitgeberstimmung. Dieser Urlaub wird losgelöst von den übrigen Urlaubsvorschriften und deswegen auch in der Probezeit gewährt.

Höhe des Urlaubsanspruchs

Der Umfang des gesetzlichen Urlaubs ist in § 3 BUrlG geregelt. Arbeitnehmer mit einer Sechstagewoche erhalten 24, Arbeitnehmer mit Fünftagewoche 20 Urlaubstage im Jahr. Teilzeitkräfte und Aushilfen haben einen ihrer Arbeitszeit entsprechenden Bruchteilsanspruch. Ist das Arbeitsverhältnis nicht in der Probezeit durch Kündigung beendet worden, entsteht der volle Urlaubsanspruch nach sechs Monaten. Ab dann kann der komplette Jahresurlaub eingereicht werden, soweit er nicht schon bei einer früheren Stelle beansprucht wurde.
In Arbeits- und Tarifverträgen kann zu Gunsten des Arbeitnehmers mehr Urlaub vereinbart sein, unter diese Mindestgrenzen darf man jedoch nicht gehen.

Urlaubssperre in der Probezeit

Will man bereits in der Probezeit seinen Urlaub antreten, hängt das (wie auch ohne Probezeit) von der Genehmigung des Chefs ab. Der gesamte Urlaubsanspruch entsteht zwar erst nach Ablauf der sechsmonatigen Wartezeit, einen Anspruch auf den bislang angehäuften Teilurlaub hat man als Arbeitnehmer allerdings schon ab dem ersten Monat. Will der Arbeitgeber den verbieten, benötigt er dringliche betriebliche Erfordernisse, die dem Urlaubswunsch begründet entgegen stehen.